TESZT, ein euregionales Festival in der ungarischen Diaspora

Eingetragen am 18. Juni 2018 von | 0 Kommentare

Zum 11. Mal hatte das ungarische Csiky Gergely Theater in die drittgrößte rumänische Stadt Timisoara zum TESZT Festival geladen.

BildBis heute stellen die Ungarn noch immer die zahlreichste Minderheit in Rumänien dar. Ungarische Minderheiten in Rumänien und den angrenzenden Ländern haben seit 1989 die Möglichkeit, eigene Organisationen zu bilden, um die Interessen der Minderheit auch politisch zu vertreten. Eigene Theater an verschiedenen Orten halten zum einen ungarische Sprache und Kultur aufrecht, bilden andererseits auch die Möglichkeit mit den rumänischen Bürgern zu kooperieren und stärken letztlich demokratische und europäische Ideen in der Diaspora, ein Unterfangen, das sich im aktuellen Ungarn sehr schwer tut.

Das euregionale Festival TESZT steht für Miteinander nicht nur auf den Brettern der Theater der Balkanstatten, von denen der Westen wenig bis nichts weiß und bringt Produktionen aus Italien, Frankreich, Deutschland nach Rumänien die es lohnt, wegen ihren Ideen von Demokratie, Diversity zum Zwecke des Kennenlernens und des Austauschs anzuschauen. Diskussionsrunden geben dazu reichlich Möglichkeit und so manches Mal fliegen die Fetzen. So soll es auch sein. Festivalchef Attila Balázs und sein Team verstehen TESZT als eine Plattform sowohl für kulturellen Austausch als auch eine Einladung zum Dialog mit Künstlern und anderen Profis der Sparte, als Aufruf kritischer Auseinandersetzung mit Theater der Regionen. Seit Timisoara als Kulturhauptstadt Europa 2021 feststeht, gilt es nicht nur, dem Titel gerecht zu werden, sondern das ungarische Theater hat umso mehr die europäische Aufgabe, sich als „ethnische Kulturhauptstadt“ von Rumänen, Ungarn, Deutschen, Serben immer wieder in Erinnerung zu bringen und dies auch zu verstärken.

Da geografische Umstände einen ständigen Austausch von Theatern dieser Euregio selten zulassen, war und ist TESZT ein willkommener Treffpunkt, Blockaden unterschiedlicher Provenienz zu überwinden und auch ein wenig abzubauen, um einen intellektuell soziopolitischen Fluss untereinander zu ermöglichen. Eines dieser Ziele ist sicher die Vertiefung der Kommunikation zwischen verschiedenen Häusern im Hinblick auf Austausch von Stücken und der künstlerischen Auseinandersetzung mit neuen Formen von Theater. Im Fokus der Macher stehen dabei vor allem die Zuschauer, denen es gilt, diese Ideen vorzustellen und näher zu bringen. Mehr und mehr kommen Gäste aus Deutschland, Belgien, Frankreich, Italien, Spanien und England hinzu, Theaterbeiträge ebenso wie Besucher dieser Länder, eine wohlige Atmosphäre zahlreicher Sprachen und Meinungen, die sich in Ungarisch, Rumänisch und Englisch mit jeweiligen Übertiteln auf der Bühne und in Simultanübersetzung während der anschließenden Diskussionen zusammenfinden, um auf die mutiger werdenden Beiträge zu reagieren.

„Jami District“ und „A Cloud in Trousers“ des bekannten serbischen Regisseurs Kokan Mladenovic sprachen von politischer Willkür und Unterdrückung, „Our Class“, Regie Guelmino Sándor von der gemeinsamen Schuld bei der Judenverfolgung, „Macho Men“ des Kollektivs aus dem serbischen Bitef Theater vom Mobbing und Kräfte messen der männlichen Jungend und Queerdom (Regie Veronika Szabó) von der weiblichen Emanzipation. Diese Themen brennen in West wie Ost, Antisemitismus, politischer Rechtsruck, Mobbing müssen hier und dort bewältigt werden, Ostländer bearbeiten diese Themenpakete hautnah, explosiv und äußerst drastisch. Nur beim „Coming Out. Hommage an P.P.Pasolini“ des in Deutschland lebenden und arbeitenden Ungarn Kristof Szabo taten sich Viele schwer. „Diversity ja, aber bloß nichts mit Schwulen“, so wehrten sich die einen, mit nicht enden wollendem Applaus bekräftigten die anderen das Multimedia-Oeuvre im Saal. Draußen, beim Open Air Opern-Spektakel in Drag der rumänischen Truppe Aualeu gab’s dann wieder Standing Ovations: eine verrückte Welt, die hüben und drüben auf dem Kopf steht.

Besonderes Interesse erzeugte in dieser Festivalausgabe die Neuinszenierung des Gastgebers „Dancer in The Dark“ nach dem Lars von Trier Film. Ein dreistündiges, eigenständiges „Anti-Musical“ nannte Regisseur Levente Kocsárdi seine zweite abendfüllende Kreation. Das filmische, in Cannes ausgezeichnete Vorbild neu zu bearbeiten, hatte sich der Jungregisseur und Ensemble-Mitglied des Csiky Gergely Theaters vorgenommen. Um die Unvollkommenheit des US-Justizsystems und seine unvermeidlichen Fehler ging die Story um Migration und mögliche Folgen, eingebettet in ein multi-media Bühnenevent, dem Set von Mihai Donici, in Kostümen von Mihaela Cretescu. Hervorragende, neu komponierte Musik von Golcea Vlaicu, der Sound von Utu Pascu und Licht von Gido Zoltan ergaben ein perfektes Ambiente. Wie durch diverse Filmsets agierten die Protagonisten, allen voran die wunderbare, glaubhafte Magyari Etelka als Selma, die von einem verdorbenen, monitär getriebenen System amerikanischer Pseudo-Demokratie zerstört wird. Die Zuschauer wurden zu Zeugen und am Ende zu Mitwirkenden des Melodrams. Alle Schauspieler überzeugten in ihren Darstellungen, überraschten zudem positiv in den Tanzszenen, choreografiert von Cristina Lilienfeld. Schon mutig, was Levente Kocsárdi nach dem berühmten filmischen Vorbild derart speziell auf die Bühne gestellt hatte. Und es funktionierte durch Können und Leidenschaft. Mit einigen Kürzungen könnte das Stück noch attraktiver und ein langlebiger, landesweiter Erfolg werden. Viel Glück dazu.

Theater darf und soll unterhalten machen. Auch das kam nicht zu kurz. Nonverbales Theater, Bewegungstheater und Installation fanden ihre Liebhaber, darunter „KA-F-KA“ mit iranischem Darsteller aus Belgien, „tempus fugit“ aus Deutschland, „Near Gone“ in schottisch-bulgarischer Provenienz oder die dreistündige Installation „Anima“ aus Deutschland. Schließlich war man sich einmal einig: der in London lebende Bulgare Ivo Dimchev (visueller Künstler, Sänger und Songwriter, Choreograf) wurde als Schlusslicht des Festivals gefeiert. Seine Show, eine extrem queere, bunte Mixtur aus Gesang eigener Chansons und eindeutiger Bewegung gehörte ein drittes Mal ins TESZT Festival. Da gab es keine Diskussion, da waren Autogramme (und Selfies mit I-VO bei Kauf der neuen CD) angesagt. Bestens vermarktete Diversity. Spaß hat’s allen gebracht. Weiter so TESZT. (Dieter Topp)
weitere Informationen unter teszt.ro/en/2018/

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